Den Auftakt des im Zeichen von Prügel stehenden Abends übernahmen die Wegwerf-Helden von Disposable Heroes, die – nach leichten Startschwierigkeiten und mit einer von For All My Sins freundlich zur Verfügung gestellten Gitarre für Frontmann Hauke – beherzt und vor allem hart in die Saiten griffen. Soundtechnisch gehen diese fünf Pfälzer Jungs ganz eigene Wege, die unter Umständen die von Trivium und Metallica kreuzen, dafür aber nur mit einem Fünkchen an Clear-Gesang auskommen. Was dabei rauskommt ist ein fetter, genreübergreifender Sound mit hohem Wiedererkennungswert, der definitiv unterhalb der Gürtellinie anzusiedeln ist. Leider wurde entgegen der Forderung des Publikums die Gitarre nicht mit dem lautstark gewünschten Hass auf dem Boden Mosh-Pits in den Gitarrenhimmel geschickt, war ja immerhin nur die geliehene Klampfe.
Der zweite Akt dieses Abends stand im Zeichen der melodischen Metalcorer von Hand of Glory, die sich selbst als "eine Mixtur aus US-Soldaten und ein paar angepissten Deutschen" beschreiben. Schon nach den Anfangstakten war klar, dass hier wahre Könner am Werk sind und jeder dieser fünf Mannen sein Spiel versteht. Saubere Übergänge, messerscharfe Drumparts, angebrachte Clear-Gesang-Einlagen kombiniert mit einem unter die Haut gehenden Rhythmus – fette Sache. Jetzt war der Veranstaltungstitel tatsächlich auch Programm: Fäuste und vereinzelte Metaller flogen standesgemäß aufeinander. Die finale Interpretation von Iron Maidens The Trooper und den Konzertausklang mit Metallicas The Call Of Ktulu setzten diesem Gig noch die Krone auf.
Akt Nummer drei ging an die Pirmasenser Kombo Avenue Six Left, die sich eindeutig dem Deathcore verschrieben hat. Die sechsköpfige Formation mitsamt zwei "Sängerknaben" schaffte es, das an eine Katakombe angelehnte Underground in eine solche Sound-Wall zu bugsieren, dass einem auch der letzte positive Gedanke in einer sehr ansprechenden Art und Weise aus dem Schädel geprügelt wurde. Neben den dominierenden Blastbeats und den Screamings sorgte vor allem die Doublebass im Dauereinsatz für eine erhöhte Herzfrequenz. Ein passendes klangliches Gewand für die buntgekleideten Faustkämpfer im Moshpit, die in Capoeira-Manir mit rudernden Armen aufeinander losgingen.
Den finalen Part des Rausschmeißers übernahmen die Gastgeber von For All My Sins selbst. Mit einem markerschütternden Schrei ins Mikrophon setzte Frontmann Rob das in Biertrance verfallene Publikum in Kampfeslaune. Spätestens nach diesem Weckruf war klar, dass bei For All My Sins "Mitten in die Fresse" das stilistische Element überhaupt ist. Dieser Eindruck wurde noch durch messerscharf kalkulierte Blastbeats, völlig unerwarteter Breaks und einem Riffing, das vermutlich schon die eine oder andere Fingerkuppe gekostet hat, unterstrichen. Selbst die Öffentlichkeitsarbeit kam an diesem zeitlich knapp bemessenen Abend nicht zu kurz. Goldkehlchen Rob ließ sich nicht lumpen und growlte im Duett mit der tapferen ersten Reihe ins Mic. Leider schritt die Zeit unermüdlich fort, aber FAMS schaften es dennoch, selbst ihren finalen Song gekonnt in eine solche Wucht zu verpacken, dass wirklich auch die letzten Kräfte im Publikum mobilisiert wurden und sogar unscheinbare Mädels teuflisch lachend ihrem Gegenüber das Bier aus der Hand schlugen.
Dummerweise musste der Laden schon um eins dicht machen, es soll ja tatsächlich Leute geben, die Wert auf Schlaf legen und mit den herzerwärmenden Klängen von Metal nichts anfangen können.

